Was Moderfäule ist, wie sie entsteht und warum sie meist anders zu bewerten ist als Weiß- oder Braunfäule
Einleitung
Neben Weißfäule und Braunfäule tritt an Bäumen eine weitere Form der Holzveränderung auf: die Moderfäule.
Sie wird häufig missverstanden oder mit pilzlichen Holzfäulen gleichgesetzt, obwohl sie sich in Ursache, Verlauf und Bedeutung deutlich unterscheidet.
Diese Seite erklärt verständlich, was Moderfäule ist, wie sie entsteht und warum sie in der Regel keine unmittelbare Gefahr für die Standsicherheit darstellt.
Was ist Moderfäule?
Moderfäule bezeichnet den langsamen Abbau von Holz unter sehr feuchten, sauerstoffarmen Bedingungen.
Im Gegensatz zu Weiß- oder Braunfäule steht dabei nicht der Pilz, sondern das Milieu im Vordergrund.
Charakteristisch für Moderfäule:
dauerhaft hohe Feuchtigkeit
eingeschränkter Sauerstoffzutritt
langsamer mikrobieller Abbau
Das Holz bleibt dabei oft formstabil, verliert aber schrittweise an Substanz.
Wie entsteht Moderfäule?
Moderfäule entsteht vor allem dort, wo Holz:
dauerhaft feucht ist
wenig belüftet wird
im Kontakt mit Erde oder Staunässe steht
Typische Entstehungsorte:
Wurzelbereich
Stammfuß
Bodennaher Stammbereich
Mulmgefüllte Höhlungen
Häufige Auslöser:
Bodenverdichtung
Staunässe
schlechte Standortbedingungen
Abdeckung des Stammfußes (z. B. Mulch, Erdanschüttung)
Moderfäule und Pilze – ein wichtiger Unterschied
Moderfäule wird nicht primär durch klassische holzzersetzende Pilze verursacht.
Stattdessen wirken:
Bakterien
Mikroorganismen
schwach holzzersetzende Pilze
Der Holzabbau verläuft:
sehr langsam
oberflächlich
oft über Jahrzehnte
👉 Abgrenzung:
Weißfäule bei Bäumen
Braunfäule bei Bäumen
Wie sieht Moderfäule aus?
Typische Merkmale von Moderfäule:
dunkles, erdiges Holz
feuchte, krümelige Struktur
modriger Geruch
oft Mulm oder Humusbildung
Das Holz:
zerfällt nicht würfelig
bleibt meist zäh
verliert langsam an Masse
Im Gegensatz zur Braunfäule entstehen keine spröden Bruchkanten.
Moderfäule und Standsicherheit
Moderfäule hat in der Regel keinen direkten Einfluss auf die akute Standsicherheit eines Baumes.
Gründe dafür sind:
sehr langsamer Abbau
begrenzte Ausdehnung
häufige Kompensation durch den Baum
Relevant wird Moderfäule vor allem:
bei sehr alten Bäumen
bei stark eingeschränkten Wurzelräumen
in Kombination mit anderen Schäden
👉 Ergänzend:
Die 10 Anzeichen für mangelnde Verkehrssicherheit bei Bäumen
Moderfäule im Stammfußbereich
Moderfäule tritt häufig im bodennahen Bereich auf.
Dort kann sie langfristig zu:
Hohlraumbildung
Mulmansammlungen
Feuchtigkeitsstau
führen.
Allein betrachtet ist das meist kein Grund für Maßnahmen, sollte aber beobachtet werden – insbesondere an stark genutzten Standorten.
Moderfäule im Winter erkennen
Im Winter lässt sich Moderfäule oft gut erkennen, da:
Stammfußbereiche frei einsehbar sind
Mulm und Feuchtigkeit sichtbar werden
Belaubung nicht ablenkt
Hinweise können sein:
dunkle, feuchte Holzbereiche
weiche, erdige Substanz
Vegetation im Stammfußbereich
👉 Weiterführend:
Baumpilze im Winter erkennen
Moderfäule ist kein akuter Schaden
Ein wichtiger Punkt:
Moderfäule ist ein natürlicher Alterungsprozess und in vielen Fällen sogar ökologisch wertvoll.
Nicht sinnvoll sind:
vorschnelle Eingriffe
pauschale Sicherheitsbewertungen
Entfernung von Mulm ohne Anlass
Sinnvoll sind:
regelmäßige Kontrolle
Beobachtung von Veränderungen
Einordnung im Gesamtzusammenhang
Fazit
Moderfäule unterscheidet sich deutlich von Weiß- und Braunfäule.
Sie ist meist langsam, lokal begrenzt und nur selten sicherheitsrelevant.
Moderfäule zeigt nicht den Verfall eines Baumes,
sondern oft sein hohes Alter und seine ökologische Bedeutung.
❓ Häufige Fragen zur Moderfäule
Ist Moderfäule gefährlich?
In der Regel nein. Sie verläuft langsam und ist meist gut kompensierbar.
Kann Moderfäule mit Pilzbefall kombiniert auftreten?
Ja, insbesondere bei alten Bäumen können mehrere Prozesse parallel ablaufen.
Muss Moderfäule behandelt werden?
Nein. Beobachtung ist in den meisten Fällen ausreichend.
📚 Quellen & weiterführende Informationen
Schwarze, F.W.M.R. (2007): Wood decay under the microscope.
Lonsdale, D. (2013): Ancient and Other Veteran Trees.
Mattheck, C. (1994): Design in Nature.
Waldwissen.net: Holzzersetzung und Holzfäule.
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
