Wurzelparasit an Bäumen – Bedeutung, Gefährdung und fachliche Einordnung
Einleitung
Der Hallimasch (Armillaria mellea) gehört zu den bedeutendsten Wurzelpilzen an Bäumen in Mitteleuropa.
Er ist einer der wenigen Baumpilze, die lebende, vitale Bäume aktiv parasitieren können und dabei das Wurzelsystem nachhaltig schädigen.
Sein Auftreten ist besonders im Verkehrsraum relevant, da ein Hallimaschbefall die Standsicherheit eines Baumes stark beeinträchtigen kann – oft ohne frühzeitige äußere Warnsignale.
Steckbrief Hallimasch
Deutscher Name: Hallimasch
Wissenschaftlicher Name: Armillaria mellea
Pilzgruppe: Ständerpilze
Lebensweise: Parasit und Saprobiont
Wirte: Laub- und Nadelbäume
Fäuleart: Weißfäule
Befallsbereich: Wurzeln, Stammfuß, Bast
Woran erkennt man Hallimasch?
Fruchtkörper
honiggelbe bis bräunliche Hüte
oft büschelig wachsend
weißliche Lamellen
Stiel mit Ring (nicht immer vorhanden)
Die Fruchtkörper erscheinen meist:
im Herbst
am Stammfuß
aus dem Boden im Wurzelbereich
Myzel & Rhizomorphen
Typisch für Hallimasch sind:
schwarze, schnurartige Rhizomorphen („Schwarze Schuhe“)
weißes, fächerförmiges Myzel unter der Rinde
Diese Strukturen sind oft aussagekräftiger als die Fruchtkörper.
Warum ist Hallimasch besonders gefährlich?
Hallimasch ist kein reiner Schwächeparasit, sondern kann:
gesunde Wurzeln aktiv befallen
Wasser- und Nährstoffversorgung unterbrechen
tragende Wurzeln zerstören
Besonders kritisch:
Befall im Wurzelraum
großflächige Weißfäule
oft späte äußere Symptome
👉 Grundlegend:
Gefährliche Baumpilze – welche die Standsicherheit beeinflussen
Welche Holzfäule verursacht Hallimasch?
Hallimasch verursacht eine Weißfäule, bei der:
Lignin stark abgebaut wird
das Holz faserig, weich und instabil wird
Im Wurzelbereich führt dies zu:
Verlust der Zugfestigkeit
verminderter Verankerung im Boden
👉 Hintergrund:
Weißfäule bei Bäumen
Hallimasch und Standsicherheit
Hallimasch gilt als hoch standsicherheitsrelevant, da:
tragende Wurzeln zerstört werden
Schäden lange unsichtbar bleiben
plötzliche Umstürze möglich sind
Besonders gefährdet sind:
Straßen- und Parkbäume
Bäume auf verdichteten Böden
geschwächte Altbäume
👉 Ergänzend:
Die 10 Anzeichen für mangelnde Verkehrssicherheit bei Bäumen
Typische Anzeichen eines Hallimaschbefalls
verminderter Zuwachs
frühzeitiger Blattfall
Kronenverlichtung
Rindenablösungen im Stammfußbereich
weißes Myzel unter der Rinde
Diese Symptome treten oft erst spät auf.
Hallimasch im Winter erkennen
Im Winter fehlen Fruchtkörper meist, Hinweise sind dann:
schwarze Rhizomorphen im Boden
abgestorbene Feinwurzeln
weißes Myzel unter gelöster Rinde
👉 Weiterführend:
Baumpilze im Winter erkennen
Kein Automatismus – aber hohe Aufmerksamkeit
Ein Hallimaschbefall bedeutet keine automatische Fällung, erfordert aber:
fachliche Bewertung
regelmäßige Kontrollen
Einschätzung der Reststandsicherheit
Besonders im Verkehrsraum ist Vorsicht geboten.
Ökologische Bedeutung
Trotz seiner Gefährlichkeit ist Hallimasch:
ein wichtiger Zersetzer
Teil natürlicher Waldökosysteme
bedeutend für Stoffkreisläufe
In naturnahen Beständen erfüllt er wichtige ökologische Funktionen.
Fazit
Hallimasch ist einer der wichtigsten und gefährlichsten Baumpilze im urbanen Raum.
Sein Befall muss ernst genommen, fachlich eingeordnet und regelmäßig überwacht werden.
Äußere Vitalität schützt nicht vor innerem Wurzelversagen.
❓ Häufige Fragen zu Hallimasch
Ist Hallimasch gefährlich für Bäume?
Ja. Er kann lebende Bäume parasitieren und deren Standsicherheit stark beeinträchtigen.
Befällt Hallimasch nur geschwächte Bäume?
Nein. Auch vitale Bäume können befallen werden.
Muss ein Baum mit Hallimasch gefällt werden?
Nicht automatisch, aber eine fachliche Beurteilung ist zwingend erforderlich.
📚 Quellen & weiterführende Informationen
Schwarze, F.W.M.R. (2007): Wood decay under the microscope.
Lonsdale, D. (2013): Ancient and Other Veteran Trees.
Waldwissen.net: Hallimasch – Biologie und Schadwirkung.
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Bundesforschungsinstitut für Wald (BFW).
