Was Braunfäule ist, wie sie entsteht und warum sie für die Standsicherheit besonders relevant sein kann
Einleitung
Braunfäule ist eine der wichtigsten Formen der Holzfäule an Bäumen.
Sie wird durch holzzersetzende Pilze verursacht und kann die Tragfähigkeit von Holz deutlich beeinflussen.
Im Gegensatz zur Weißfäule verändert Braunfäule das Holz oft schneller und spröder, was sie insbesondere im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit relevant macht.
Diese Seite erklärt verständlich, was Braunfäule ist, wie sie wirkt und wann sie bei der Beurteilung eines Baumes eine Rolle spielt.
Was ist Braunfäule?
Braunfäule bezeichnet eine Form der Holzzerstörung, bei der Pilze:
vor allem die Zellulose und Hemizellulose abbauen
das Lignin weitgehend erhalten bleibt
Da Lignin dunkel gefärbt ist, erscheint das verbleibende Holz:
braun
würfelig aufbrechend
trocken und spröde
Der Name „Braunfäule“ leitet sich von diesem typischen braunen Erscheinungsbild des geschädigten Holzes ab.
Wie entsteht Braunfäule?
Braunfäule entsteht, wenn Braunfäulepilze in das Holz eindringen.
Der Eintritt erfolgt meist über:
Schnittstellen
Astabbrüche
Rindenverletzungen
Frostrisse
Bodenkontakt im Wurzelbereich
Auch hier gilt:
Der Pilz ist in der Regel nicht die Ursache, sondern nutzt vorhandene Schwächen im Holz.
👉 Grundlegend dazu:
Baumpilze an Bäumen erkennen und richtig einordnen
Typische Pilze, die Braunfäule verursachen
Zu den häufigsten Braunfäule-Erregern an Bäumen gehören:
Kiefern-Braunporling (Phaeolus schweinitzii)
Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium)
👉 Übersicht:
Die 50 häufigsten Pilze an Bäumen in Deutschland
Wie verändert Braunfäule das Holz?
Durch den Abbau der Zellulose verliert das Holz:
seine Zug- und Biegefestigkeit
seine Elastizität
seine gleichmäßige Struktur
Typisch für Braunfäule:
würfeliger Zerfall
sprödes Bruchverhalten
plötzliche Tragfähigkeitsverluste
Im Gegensatz zur Weißfäule kann Braunfäule dazu führen, dass Holz äußerlich noch stabil wirkt, innerlich aber bereits stark geschädigt ist.
👉 Vergleich:
Weißfäule und Braunfäule – Unterschiede einfach erklärt
Braunfäule und Standsicherheit
Braunfäule gilt als besonders relevant für die Standsicherheit, da sie:
zu schnellen Festigkeitsverlusten führen kann
oft lange unbemerkt bleibt
bruchanfälliges Holz erzeugt
Besonders kritisch ist Braunfäule:
im Stammfußbereich
im Wurzelholz
an stark belasteten Starkästen
Braunfäule im Stammfußbereich
Braunfäule im unteren Stammbereich oder an den Wurzeln kann die Standfestigkeit erheblich beeinträchtigen.
Hier wirken die höchsten Kräfte aus Eigengewicht, Windlast und Krone.
In solchen Fällen ist eine sachliche und fachliche Einschätzung besonders wichtig.
👉 Weiterführend:
Wurzelschwamm – Baumpilz mit Einfluss auf die Standsicherheit
Braunfäule im Winter erkennen
Im Winter lässt sich Braunfäule oft besser einschätzen, da:
Pilzfruchtkörper sichtbar sind
Belaubung fehlt
Stamm und Wurzelbereich frei einsehbar sind
Mögliche Hinweise:
braune, würfelige Holzstrukturen
Pilzfruchtkörper am Stamm oder Stammfuß
Hohlklang bei Klopfproben (nur orientierend)
👉 Ergänzend:
Baumpilze im Winter erkennen
Braunfäule ist kein Automatismus für Maßnahmen
Auch bei Braunfäule gilt:
Nicht jeder Befall führt automatisch zu Maßnahmen.
Sinnvoll ist:
regelmäßige Beobachtung
Dokumentation von Veränderungen
Einordnung im Gesamtzusammenhang
Nicht sinnvoll sind:
pauschale Fällentscheidungen
Entfernen von Fruchtkörpern
isolierte Betrachtung ohne Kontext
Fazit
Braunfäule ist eine ernst zu nehmende Form der Holzfäule, da sie die Tragfähigkeit von Holz deutlich beeinflussen kann.
Sie muss jedoch immer individuell bewertet werden.
Entscheidend ist nicht allein der Pilz,
sondern das Zusammenspiel von Holzabbau, Baumart und Standort.
❓ Häufige Fragen zur Braunfäule
Ist Braunfäule gefährlicher als Weißfäule?
Braunfäule führt oft zu schnelleren Festigkeitsverlusten, muss aber dennoch differenziert betrachtet werden.
Kann ein Baum mit Braunfäule noch standsicher sein?
Ja, abhängig von Ausdehnung, Position und Vitalität.
Wann sollte fachlicher Rat eingeholt werden?
Bei Braunfäule im Stammfuß- oder Wurzelbereich sowie an verkehrsrelevanten Standorten.
📚 Quellen & weiterführende Informationen
Schwarze, F.W.M.R. (2007): Wood decay under the microscope. Fungal Biology Reviews.
Lonsdale, D. (2013): Ancient and Other Veteran Trees. The Tree Council.
Waldwissen.net: Braunfäule und Weißfäule – Holzabbau durch Pilze.
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF): Holzfäulepilze an Bäumen.
Bundesforschungsinstitut für Wald (BFW): Pilzliche Holzfäulen und ihre Auswirkungen.
