Baumpilz erkennen, einordnen und richtig bewerten
Kurzüberblick
Deutscher Name: Zottiger Schillerporling
Wissenschaftlicher Name: Inonotus hispidus
Pilztyp: holzzersetzender Baumpilz
Holzabbau: Weißfäule
Häufige Wirtsbäume: Apfel, Platane, Esche, Ulme
Bedeutung: mittel bis hoch (standortabhängig)
Einordnung
Der Zottige Schillerporling ist ein häufiger Baumpilz an Laubbäumen, vor allem im Siedlungs- und Stadtbereich. Er wird oft erst wahrgenommen, wenn seine auffälligen Fruchtkörper erscheinen – zu diesem Zeitpunkt hat der Holzabbau jedoch meist bereits über längere Zeit im Inneren des Baumes stattgefunden.
Im Überblicksbeitrag
👉 „Die 10 häufigsten Baumpilze in Deutschland“
zählt er zu den regelmäßig auftretenden Arten, insbesondere an Obst- und Straßenbäumen.
Beschreibung
Typisch für den Zottigen Schillerporling sind konsolenförmige, einjährige Fruchtkörper mit einer zottig-filzigen Oberfläche. Junge Exemplare zeigen häufig eine orange- bis rostbraune Färbung. Während des Wachstums kann es zur Guttation kommen – dabei scheidet der Pilz bernsteinfarbene Flüssigkeitstropfen aus.
Die Unterseite ist hell und feinporig. Mit zunehmendem Alter dunkeln die Fruchtkörper deutlich nach.
Typische Merkmale auf einen Blick
zottige, filzige Oberfläche (Namensgeber)
konsolenförmiger Wuchs
orangebraune bis dunkelbraune Färbung
helle Porenschicht
meist einjährig, saisonales Auftreten
Vorkommen und Wirtsbäume
Der Zottige Schillerporling tritt bevorzugt an geschwächten oder vorgeschädigten Bäumen auf. Besonders häufig findet man ihn an:
Apfelbäumen → siehe Baumporträt Apfelbaum
Platanen → siehe Baumporträt Platane
Eschen → siehe Baumporträt Esche
Ulmen
➡️ In Obstgärten, an Straßenrändern und in Parks ist er daher keine Seltenheit.
Holzabbau und Wirkung auf den Baum
Der Pilz verursacht eine Weißfäule, bei der vor allem das Lignin abgebaut wird. Das Holz verliert an Festigkeit, bleibt jedoch zunächst faserig.
Wichtig für die Einschätzung:
der Abbau ist oft lokal begrenzt
Fruchtkörper erscheinen meist zeitverzögert
der Pilz kann jahrelang latent im Holz vorhanden sein
Weiterführend:
👉 Wie Baumpilze Holz zersetzen – Weißfäule und Braunfäule erklärt
Bedeutung für die Verkehrssicherheit
Der Zottige Schillerporling gilt nicht automatisch als hochgefährlich, sollte aber fachlich eingeordnet werden – insbesondere bei:
Bäumen an Straßen, Wegen oder Gebäuden
wiederholtem Auftreten an derselben Stelle
zusätzlichen Symptomen wie Rissen, alten Schnittwunden oder Vitalitätsverlust
In solchen Fällen empfiehlt sich eine Bewertung im Zusammenhang mit:
👉 Vitalität von Bäumen erkennen
👉 Grundlagen der Verkehrssicherheit bei Bäumen
Abgrenzung zu ähnlichen Baumpilzen
Verwechslungen sind möglich, unter anderem mit:
Schwefelporling – deutlich gelber, glatte Oberfläche
→ Zum Porträt SchwefelporlingLackporlinge – glänzende, lackartige Oberfläche
→ Zum Porträt Flacher Lackporling
Die zottige Oberfläche ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.
Fazit
Der Zottige Schillerporling ist ein typischer Baumpilz an Stadt- und Obstbäumen, der häufig unterschätzt wird. Er ist kein sofortiges Todesurteil, aber ein klarer Hinweis auf innere Holzveränderungen, die beobachtet und bewertet werden sollten.
Entscheidend ist nicht der Fruchtkörper – sondern der Zustand des Holzes.
❓ Häufige Fragen zum Zottigen Schillerporling
Ist der Zottige Schillerporling gefährlich?
Er kann gefährlich werden, wenn tragendes Holz betroffen ist oder der Baum in einem verkehrsrelevanten Bereich steht. Eine Einzelfallbewertung ist entscheidend.
Muss ein Baum mit diesem Pilz gefällt werden?
Nein. Oft sind Kontrollen und regelmäßige Beobachtung ausreichend. Eine Fällung ist nur bei nicht mehr gewährleisteter Verkehrssicherheit notwendig.
Kann man den Pilz einfach entfernen?
Nein. Das Entfernen des Fruchtkörpers beseitigt nicht den Pilz im Holz und hat keinen positiven Einfluss auf die Statik.
