Baumpilze erkennen & bewerten
Die 10 häufigsten Arten in Deutschland: Von harmlosen Zersetzern bis zu gefährlichen Statik-Killern.
Die häufigsten Baumpilze in Deutschland treten sowohl im Wald als auch an Stadt- und Parkbäumen regelmäßig auf. Manche sind harmlos, andere haben direkte Auswirkungen auf die Standsicherheit von Bäumen. Dieser Beitrag gibt eine übersichtliche Einordnung der wichtigsten Arten und hilft Ihnen dabei, Pilzfunde besser zu verstehen und richtig zu bewerten.
⚠️ Wichtig: Nicht jeder Baumpilz bedeutet sofortige Gefahr – aber jeder Pilz ist ein biologischer Hinweis auf den Zustand des Holzes.
🍄 Die 10 häufigsten Baumpilze im Detail

1. Zunderschwamm (Fomes fomentarius)
Häufig an Buche, Birke und Ahorn. Er verursacht eine Weißfäule im Stammholz. Da die Fruchtkörper oft jahrelang sichtbar bleiben, ist er meist ein Zeichen fortgeschrittener Holzveränderung.
2. Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum)
Typisch an Buche, Ahorn und Eiche. Der Befall findet meist im Stammfuß- und Wurzelbereich statt, was eine extrem hohe Relevanz für die Verkehrssicherheit hat.
3. Hallimasch (Armillaria-Arten)
Ein Parasit mit sehr vielen Wirtsbäumen. Gefährlich, da der Befall meist unsichtbar im Wurzelraum beginnt und Schäden erst spät durch Fruchtkörper sichtbar werden.

4. Schwefelporling (Laetiporus sulphureus)
Häufig an Eiche, Weide und Robinie. Er verursacht Braunfäule mit schnellem Festigkeitsverlust des Holzes. Optisch oft harmlos, statisch jedoch hochkritisch.
5. Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)
Vorkommen an Laub- und Nadelbäumen. Er verursacht Braunfäule und tritt oft an Bäumen auf, die bereits durch Trockenstress geschwächt sind.
6. Birkenporling (Fomitopsis betulina)
Fast ausschließlich an Birken zu finden. Er ist ein typisches Zeichen für starke Vorschädigung und verursacht Braunfäule im Stammholz.

7. Riesenporling (Meripilus giganteus)
Vor allem an Buchen. Durch die Weißfäule im Wurzelbereich gilt er als einer der kritischsten Baumpilze für die Standsicherheit im urbanen Raum.
8. Eichenwirrling (Daedalea quercina)
Ausschließlich an Eichen. Er verursacht Braunfäule und baut das Holz zwar langsam, aber sehr kontinuierlich ab.
9. Zottiger Schillerporling (Inonotus hispidus)
Häufig an Apfel, Platane und Esche. Verursacht Weißfäule und wird oft unterschätzt, da die Fruchtkörper nur zeitweise erscheinen.
10. Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum)
Vor allem an Nadelbäumen. Er zerstört die Statik im Wurzel- und Stockbereich, oft als Folgeschaden nach Borkenkäferbefall.
❓ Experten-FAQ zu Baumpilzen
Muss ein Baum bei Pilzbefall immer gefällt werden?
Nein. Entscheidend ist die Art des Pilzes und der Ort des Befalls. Während Pilze an abgestorbenen Ästen oft unproblematisch sind, erfordern Pilze am Stammfuß oder Wurzelstock (wie der Riesenporling) eine professionelle Standsicherheitsprüfung.
Was ist der Unterschied zwischen Weißfäule und Braunfäule?
Weißfäule-Pilze bauen das Lignin ab, wodurch das Holz faserig und biegsam wird. Braunfäule-Pilze bauen die Zellulose ab, das Holz wird spröde und bricht würfelartig (Würfelbruch), was statisch oft gefährlicher ist.
Kann man Baumpilze mit Fungiziden bekämpfen?
Nein, eine chemische Bekämpfung im Inneren des Baumes ist nicht möglich. Fokus der Baumpflege ist die Stärkung der Vitalität, damit der Baum den Pilz durch gesundes Holz "einkapseln" kann.
Sind Baumpilze ansteckend für andere Bäume?
Die Sporen der Pilze sind allgegenwärtig. Ein gesunder Baum ohne Wunden kann sich meist gut wehren. Verletzungen durch falschen Schnitt oder Anfahrschäden am Stamm erhöhen das Risiko einer Infektion jedoch massiv.
Wissen schützt Bäume
Die Beobachtung von Baumpilzen liefert wertvolle Erkenntnisse über den Lebenszyklus unserer Natur. Bleiben Sie informiert in unserem Baum-Blog.
"Baumpilze sind keine Urteile – sie sind Hinweise."

