Die 50 häufigsten Pilze an Bäumen
Die vollständige, interaktive Übersicht zur Bestimmung und Bewertung der Standsicherheit.
Pilze als Indikatoren für Baumstatik und Vitalität
Pilze an Bäumen sind in Deutschland weit verbreitet und treten in nahezu jedem Ökosystem auf – vom dichten Forst bis zum innerstädtischen Straßenbaum. Häufig werden sie erst wahrgenommen, wenn ihre Fruchtkörper am Stamm oder an Starkästen sichtbar werden. In diesem Moment entsteht oft Unsicherheit bei Baumbesitzern: Geht von dem Baum eine Gefahr aus? Muss er gefällt werden?
Diese Übersicht dient als fundierte Orientierungshilfe. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Pilz keine Krankheit im klassischen Sinne ist. Vielmehr nutzen Pilze vorhandene Schwächen im Holzgewebe, die durch Alterung, mechanische Verletzungen oder klimatischen Stress wie lang anhaltende Trockenperioden entstanden sind. Pilze übernehmen eine essenzielle ökologische Rolle, indem sie totes Holz zersetzen und Nährstoffe zurück in den Kreislauf führen. Problematisch wird es jedoch, wenn sie lebendes Gewebe oder tragende Strukturen befallen.
Die Einordnung eines Befalls erfolgt immer im Gesamtkontext des Baumes. Hierbei spielen die Pilzart, der Ort des Auftretens (Krone, Stamm oder Wurzelhals) und die Intensität des Holzabbaus (Weißfäule oder Braunfäule) eine entscheidende Rolle. Während einige Arten über Jahrzehnte hinweg nur langsam das Kernholz abbauen, können aggressive Parasiten die Standsicherheit innerhalb kurzer Zeit massiv beeinträchtigen. Nutzen Sie die folgende Liste, um eine erste Einschätzung vorzunehmen und bei Bedarf gezielt weiterführende Informationen abzurufen.
Gruppe A: Pilze mit möglichem Einfluss auf die Standsicherheit
2. Hallimasch
3. Riesenporling
4. Flacher Lackporling
5. Rotrandiger Baumschwamm
6. Schwefelporling
7. Birkenporling
8. Eichenwirrling
9. Riesen-Schillerporling
10. Feuerschwamm
11. Kiefern-Braunporling
12. Wurzelschwamm
13. Zottiger Schillerporling
14. Samtfußrübling
15. Schuppiger Porling
16. Brandkrustenpilz
17. Klapperschwamm
18. Leberreischling
19. Eschen-Baumschwamm
20. Tropf. Schillerporling
21. Eichen-Feuerschwamm
22. Kiefern-Feuerschwamm
23. Pflaumen-Feuerschwamm
24. Kastanien-Schillerp.
25. Breitblättr. Rübling
Verkehrssicherheit und Pilzbefall: Worauf Sie achten müssen
Als Grundstückseigentümer tragen Sie die Verantwortung für die Verkehrssicherheit Ihrer Bäume. Das Auftreten von Pilzfruchtkörpern ist oft ein Warnsignal, das eine genauere Untersuchung erforderlich macht. Besonders kritisch sind Standorte an öffentlichen Gehwegen, Straßen oder Spielplätzen. Hier kann ein Astabbruch oder das Umstürzen eines Baumes gravierende Folgen haben.
Achten Sie auf die sogenannten "Gefahrenstellen": Erscheint der Pilz am Stammfuß, deutet dies häufig auf eine Zersetzung der Halte- oder Stützwurzeln hin. Solche Bäume können bei Sturm ohne Vorwarnung umkippen. Treten Pilze hingegen in der Krone an Starkästen auf, ist das Risiko eines Astbruches erhöht. Eine regelmäßige Baumkontrolle ist daher unerlässlich, um Schäden an Personen oder Sachwerten zu vermeiden.
Gruppe B: Häufige Pilze ohne akute Gefährdung (Totholz-Zersetzer)
27. Striegeliger Schichtpilz
28. Grünbl. Schwefelkopf
29. Austernseitling
30. Stockschwämmchen
31. Samtiger Schichtpilz
32. Buckel-Tramete
33. Judasohr
34. Gem. Spaltblättling
35. Rauchbl. Schwefelk.
36. Glänz. Lackporling
37. Gem. Feuerschwamm
38. Krause Glucke
39. Tannen-Blättling
40. Zaunblättling
41. Blut. Schichtpilz
42. Birken-Zungenp.
43. Röt. Trametenp.
44. Rosabl. Schichtp.
45. Löweng. Porling
46. Vielgest. Tramete
47. Duft-Tramete
48. Zimtf. Weichp.
49. Zinnobertramete
50. Goldfell-Schüppl.
❓ Experten-FAQ zu Baumpilzen
1. Warum erscheinen Baumpilze oft erst nach Jahren der Infektion?
Baumpilze leben primär als Myzel im Inneren des Holzes, was für das menschliche Auge unsichtbar bleibt. Der Fruchtkörper am Stamm dient lediglich der Fortpflanzung und wird oft erst gebildet, wenn das Myzel eine kritische Masse erreicht hat. Ein sichtbarer Pilz ist daher häufig ein Zeichen für eine bereits weit fortgeschrittene Zersetzung im Bauminneren.
2. Was ist der gravierendste Unterschied zwischen Weiß- und Braunfäule?
Der Unterschied liegt in der chemischen Zersetzung: Weißfäuleerreger bauen Lignin und Zellulose ab, wodurch das Holz faserig wird. Braunfäuleerreger bauen gezielt Zellulose ab, sodass das dunkle Lignin zurückbleibt und das Holz spröde in Würfel zerfällt. Details findest du in unserem Guide zu Fäuletypen.
3. Kann man das Myzel im Baum abtöten oder bekämpfen?
Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist eine Heilung durch Fungizide im lebenden Baum nicht möglich. Die Strategie der Baumpflege zielt darauf ab, die Vitalität des Baumes so hoch wie möglich zu halten, damit er den Pilz durch eigene Abschottungsprozesse isolieren kann.
4. Sind Pilze an alten Obstbäumen im Garten gefährlich?
Im privaten Garten können befallene Obstbäume oft noch viele Jahre erhalten bleiben, sofern keine akute Verkehrsgefahr besteht. Eine Gefahr besteht erst dann, wenn der Baum auf Gebäude oder benachbarte Grundstücke stürzen könnte, was eine regelmäßige Baumkontrolle erforderlich macht.
5. Gibt es aktuelle Experten-Tipps zur Pilzbestimmung?
Regelmäßige Updates zu neuen Erkenntnissen und Bestimmungshilfen findest du in unserem Baum-Blog. Zudem hilft unser Baum-Lexikon dabei, die spezifischen Wirtsbäume der Pilze besser zu verstehen.

